die sprachliche Bildung

„Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“
(Ludwig Wittgenstein, Philosoph 1889 – 1951) 

Sprache, die gesprochene wie die geschriebene, ist in unserer Gesellschaft das vorherrschende Medium, in dem wir miteinander kommunizieren, mit dem wir Erkenntnisse austauschen und ordnen.

Wenn Kinder eine gute Kommunikationsfähigkeit besitzen und über einen entsprechenden sprachlichen Erfahrungsschatz verfügen, dann können sie mit anderen Menschen leichter Kontakt aufnehmen und finden außerdem schneller den Zugang zu Büchern, zur Schriftsprache, zu Medien und zu Kunstwerken.

Auch die Begegnung mit anderen Sprachen bereichert die eigene sprachliche Entwicklung der Kinder und fördert ihr Verständnis für andere Kulturen.

Sprache und Denkentwicklung des Kindes beeinflussen sich gegenseitig, d.h. das Kind muss zum einen eine bestimmte Stufe der Denkentwicklung erreicht haben, um Sprache adäquat erwerben zu können. Zum anderen ist die Sprache wiederum Voraussetzung um höhere Stufen der Denkentwicklung zu erreichen.

Nicht über die Kinder, sondern mit den Kindern sprechen wir. Stellt man Kindern Fragen, muss man sich auch die Zeit für ihre Antworten nehmen. Ungeduld und vorschnelles Handeln würde der zuvor gestellten Frage die Bedeutung nehmen und den Kindern vermitteln, dass sie nicht ernst genommen werden.

Die Sprache ist schließlich ausschlaggebend, ob und wie sich ein Kind das „Weltwissen“ aneignen und Bildung erfahren kann.

 

Praktische Umsetzung:

Die Sprachförderung findet täglich statt und ist im Alltagsgeschehen des Kindergartens durchgängig enthalten. Sie wird ganzheitlich in Sprech- und Spielhandlungs-Situationen über den gesamten Tag im Kindergarten integriert.

Bei der Gruppen-Bildung ist einer der Schwerpunkte die Beachtung des heterogenen Prinzips. Dies bedeutet, dass die Kinder  sowohl hinsichtlich Lebensalter, Sprachkompetenz, Bildungsstand und sozialem Milieu unterschiedlich sind.

Die größeren Kinder werden so auch zu wichtigen „sprachlichen Zugpferden“ für die kleineren Kinder. Den Kindern wird auf diese Weise die Freude am Sprechen vermittelt und sie werden in ihrer Selbständigkeit und ihren sozial-emotionalen Beziehungen unterstützt. Dies betrifft die Kontakt-Aufnahme und die Kommunikation mit anderen Kindern und Erwachsenen.

Des weiteren finden auch Angebote in homogen Gruppen statt, um den besonderen Bedürfnissen der gleichaltrigen Kinder gerecht zu werden.

Die sprachliche Förder-Arbeit der Erzieherinnen mit den Kindern findet  auf allen Bildungsinseln statt:

Kreativbereich und Atelier / szenischer Bereich, Theater / Musikinsel / Bauwelt, Konstruktionswelt / Bewegungs-Welt / Bilderbuch- und Lese–Insel / Buchstaben und Schreib-Insel / mathematisch-naturwissenschaftliche Insel.


Dies bedeutet, dass die Erzieherin z.B. verschiedene Sprach- und Spiel-Handlungs-Situationen auf einer Bildungs-Insel anbietet.

In ihrem Angebot geht sie auf  die einzelnen Bausteine der Sprachentwicklung ein.

In der Forscher- Insel erfahren die Kinder z.B. beim Experimentieren mit Wasser insbesondere: Wortschatzarbeit und Wortschatzerweiterung (z.B. Wasserhaut, Wasseroberfläche usw.), die Entwicklung des Sprachverstehens (was bedeutet „das Verdrängen des Wassers“?) und des Satzbaus ( bestimmte grammatikalische Strukturen ), der auditiven Merk- und Speicherfähigkeit (Wiederholen der neuen Wörter durch Sprechen verknüpft mit Bildmaterial und bewusstem Erleben) und der phonologischen Bewusstheit (Lied / Reim vom Wasser). Die Erzieherin berücksichtigt unter Einbeziehung der Sinne und der Motivation der Kinder, Sprachlernstrategien, die sie in das Experiment mit einfließen lässt.

So greifen alle sprachlichen Fördermaßnahmen wie Zahnräder ineinander. Sie drehen sich „gemeinsam“ und werden über die Sprachförderarbeit auch „gemeinsam“ angestoßen. Jede Sprachbad-Insel gehorcht diesem Ansatz des „gemeinsamen Anstoßens“ der unterschiedlichen Bausteine der Sprachentwicklung mit Hilfe der Sprachförder-Techniken über den gesamten Kindergarten-Tag.